Vorträge im Rahmen der Ausstellung "Die vergessenen Helden - Sinti und Roma im Sport"
Eröffnung der Ausstellung
Viele Menschen haben eine Vorstellung von Sinti und Roma, aber nur wenige haben echten Kontakt zur Community. Diese Ausstellung möchte genau dort ansetzen: nicht mit großen Inszenierungen, sondern mit ehrlichen Einblicken in Lebensrealitäten, Erfahrungen und Perspektiven.
Die Ausstellung „Die vergessenen Helden – Sinti und Roma im Sport“ kommt nun ins Polizeimuseum. Am 28. April um 18 Uhr laden wir Sie herzlich ein, die Ausstellung im Museum zu entdecken und mit uns ins Gespräch zu kommen.
Im Mittelpunkt stehen Sinti- und Roma-Sportler*innen, deren Geschichten zeigen, wie eng sportlicher Erfolg und gesellschaftliche Hürden miteinander verbunden sein können. Die Ausstellung beleuchtet nicht nur historische Biografien, sondern auch die Frage, wie Sinti und Roma heute leben, wie sie von Polizei, Behörden und Institutionen wahrgenommen werden und wie sich das anfühlt.
Die Kuratoren Oswald Marschall und Andrzej Bojarski führen an dem Abend in die Ausstellung ein. Oswald Marschall ist selbst Sinto und ehemaliger Nationalboxer. Für viele Personen ist die Begegnung mit ihm ein besonderer Moment: ein direkter Kontakt zu jemandem aus der Community, der offen über Erfahrungen spricht, die sonst selten öffentlich zur Sprache kommen.
Die Ausstellung macht deutlich, dass Sport ein Ort der Begegnung sein kann – aber auch ein Ort, an dem Diskriminierung sichtbar wird. Genau deshalb braucht es gesellschaftliche Veränderungen, die über den Sport hinausgehen. Die Geschichten der gezeigten Athlet*innen zeigen, wie viel Mut es braucht, sich gegen Vorurteile zu behaupten, und wie wichtig Räume sind, in denen Austausch möglich wird. Daraus kann ein Impuls entstehen, der Menschen verbindet und neue Perspektiven öffnet.
Datum: 28. April 2026
Uhrzeit: 18:00 Uhr
Ort: Polizeimuseum Niedersachsen
Mit Einführung von: Oswald Marschall & Andrzej Bojarski
Wir freuen uns auf einen Abend, der Raum für Austausch, Fragen und neue Sichtweisen bietet.
Antiziganismus und Polizei nach 1945
Der Vortrag von Susanne Fischer zeichnet die Verfolgungspraktiken und Handlungsweisen der westdeutschen Polizei bezüglich Sinti und Roma in der Geschichte der Bundesrepublik nach. Am Beispiel der Polizei Hamburg werden die polizeilichen Mechanismen der Verfolgung von Sinti und Roma und die langsame Abkehr davon ab den 1980er Jahren beschrieben.
Susanne Fischer ist Politikwissenschaftlerin und arbeitet seit vielen Jahren in der Hamburger Behörde für Inneres und Sport zu Themen wie Extremismus, Hasskriminalität und internationalen Sicherheitsfragen. Sie veröffentlichte zuletzt zur Kolonialgeschichte sowie zur antiziganistischen Geschichte der Hamburger Polizei und war im Nebenamt als Lehrbeauftragte an der Akademie der Polizei Hamburg tätig. Ihre akademische Ausbildung und Promotion absolvierte sie an der Universität Hamburg und der London School of Economics.
Datum: Do., 7. Mai 2026
Uhrzeit: 18:00 Uhr
Ort: Polizeimuseum Niedersachsen
Kriminalpolizei und Sinti sowie Roma 1850 bis 1950: Modernisierung, Radikalisierung und (Dis-)kontinuitäten
Der Vortrag von Verena Meier zeigt verständlich und kompakt, wie sich das Verhältnis zwischen Polizei und Sinti und Roma vom Kaiserreich bis in die Nachkriegszeit entwickelt hat. Im Mittelpunkt steht, wie polizeiliche Strukturen und Routinen, etwa Erfassung und Kategorisierung, bereits seit dem späten 19. Jahrhundert entstanden und später die nationalsozialistische Verfolgung ermöglichten.
Dabei wird deutlich, wie tief solche Praktiken im polizeilichen Alltag verankert waren und wie stark sie das Leben der Betroffenen prägten. Der Vortrag beleuchtet sowohl die Handlungsspielräume einzelner Täterinnen und Täter innerhalb der Kriminalpolizei als auch die Möglichkeiten der Verfolgten, mit Repressionen umzugehen, sich anzupassen oder Widerstand zu leisten.
Anschließend richtet Verena Meier den Blick auf die Zeit nach 1945. In der sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR wurde der Polizeiapparat neu aufgebaut, wobei deutlich weniger frühere Täterinnen und Täter in den Dienst zurückkehrten als in Westdeutschland. Dadurch entstanden neue Möglichkeiten, etwa, dass überlebende Sinti und Roma eine Anstellung bei der Volkspolizei finden konnten. Gleichzeitig zeigt der Vortrag, dass ältere antiziganistische Muster in Teilen bestehen blieben und weiterhin das polizeiliche Handeln prägten.
Der Vortrag bietet damit einen klaren, sensiblen und differenzierten Einblick in die langfristige Geschichte polizeilichen Handelns gegenüber Sinti und Roma.
Verena Meier ist Historikerin und promovierte an der Universität Heidelberg mit einer ausgezeichneten Arbeit zur Verfolgung von Sinti und Roma durch die Kriminalpolizei. Sie forschte mehrere Jahre am Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma und arbeitet derzeit in einem DFG-geförderten Postdoc-Projekt zu Rassismus- und Wissenschaftsgeschichte. Ihre Schwerpunkte liegen in der Polizeigeschichte, Ideengeschichte, Gender Studies sowie der Erforschung von Antisemitismus und Antiziganismus.
Datum: Do., 11. Juni 2026
Uhrzeit: 18:00 Uhr
Ort: Polizeimuseum Niedersachsen