Forschung

Abgeschlossene Projekte


Videobasierte Strategien gegen Radikalisierung – VIDEOSTAR

Dr. Michael Fischer, Dr. Daniela Klimke und Dr. Sybille Reinke de Buitrago


Unsere Gesellschaft und die Meinungsbildung werden heute stark durch die sozialen Medien geprägt. Dabei finden auch Prozesse der Radikalisierung statt. Extremistische Akteure nutzen die sozialen Medien, wie z.B. Youtube-Videos, für die gezielte Ansprache. Dabei sind vor allem junge Menschen anfällig für extremistische Ideen. Sie befinden sich in einer Orientierungsphase in ihrem Leben und sind zudem online hoch aktiv. Extremistische Akteure sprechen ihre Adressaten oft sehr zielgenau an, z.B. indem sie auf deren spezifische Problemsichten, Wissensbestände, Erfahrungen und auf das Bedürfnis nach (politischer) Orientierung und Identitätsfestigung eingehen. Ein Hauptaugenmerk der Kriminalprävention muss daher auf die Ansprache in sozialen Medien gelegt werden, um diese Informationskanäle nicht den extremistischen Akteuren und Organisationen zu überlassen, sondern selbst dort Maßnahmen zu ergreifen, wo die gefährdeten Zielgruppen erreicht werden können.

Das Projekt VIDEOSTAR hat daher Radikalisierungsnarrative im islamistischen und im rechtsextremistischen / -populistischen Phänomenbereich in der Phase der Frühradikalisierung analysiert. Von Interesse waren die extremistischen Inhalte und deren Präsentation in den sozialen Medien, insbesondere in YouTube-Videos. Dafür wurden üben 100 Videos analysiert; Experteninterviews und Feldforschung komplementieren die Erkenntnisse. Basierend auf der Analyse wurden adressatengerechte und inhaltlich passgenaue Gegennarrative bzw. alternative Narrative entwickelt und in selbst produzierten YouTube-Videos online veröffentlicht sowie unter Multiplikatoren verbreitet. Die Gegennarrative greifen die spezifischen Problemsichten der angesprochenen Rezipienten auf und konfrontieren dabei die extremistische Deutung mit einer liberalen, demokratischen Deutung.

Im Projekt waren Dr. Daniela Klimke und Dr. Michael Fischer (Leitung), Dr. Sybille Reinke de Buitrago (Projektmanagement und -koordination) und Alina Arnhold (Projektassistenz).

Laufzeit: 2018-2020



Nutzungsmuster öffentlich zugänglicher Freiräume im Zuge des demographischen Wandels

Projektleitung: Prof a.d. PA Dr. Joachim Häfele, Prof. Dr. Agnes Förster u.a.


München ist ein Fallbeispiel für eine der dichtesten und zugleich am schnellsten wachsenden Städte in Deutschland. Parallel zu der Entwicklung neuer Wohnquartiere findet laufend Nachverdichtung im Bestand statt. Die Dynamik in Bevölkerungs- und Arbeitsplatzentwicklung wirkt stark auf den Wohnungsmarkt, die urbane Mobilität wie auch auf Versorgung, Bildung, Freizeit und Kultur. Neben quantitativen Treibern unterliegen Städte auch qualitativen Veränderungen. Die Bevölkerung wird älter, bunter, vielfältiger. Der quantitative wie qualitative Wandel in den Städten und die damit einhergehenden veränderten Möglichkeiten, Restriktionen, Unsicherheiten und entsprechenden Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner in der Stadt zeigen sich insbesondere in der Nutzung öffentlich zugänglicher Freiräume. So wird der Umgang in und mit öffentlichem Freiraum als ein Seismograf des sozialen Wandels und eines mehr oder weniger gelingenden Zusammenlebens in der Stadt betrachtet. Wenn die Wohnung kleiner wird, Familienstrukturen kaum mehr Halt geben, mehr Menschen in der Stadt neu ankommen, sich neue Formen der Arbeit etablieren, dann ist der öffentlich zugängliche Freiraum im wörtlichen Sinn ein freier Raum, in dem sich neue Bedürfnisse und veränderte individuelle Ressourcen Platz und Ausdruck schaffen. Innerhalb der Untersuchung des Umgangs in und mit öffentlichem urbanem Freiraum wird entsprechend vorliegender Forschungsbefunde u.a. postuliert, dass unterschiedliche soziale Probleme sowie kriminalitätsbezogene Unsicherheitsgefühle und (neue) (In)Toleranzen von unterschiedlichen Faktoren auf der Individualebene abhängig sind (als Vorarbeiten dienen hier z.B. Häfele et al. 2018 und Häfele 2018b)[i] und gleichzeitig mit unterschiedlichen Spezifika öffentlicher Räume kognitiv verknüpft sind. Die Studie setzt daher an der Vielzahl Münchner Freiraumtypen im Kontext unterschiedlicher Quartierstypen an. In Ergänzung dieser baulichen Typen nun die Vielfalt von Typen der Nutzung und Nicht-Nutzung, Bedürfnisse und Barrieren bezüglich der Freiraum-Landschaft zu ermitteln, ist wesentliches Ziel der sozialräumlichen Studie. Im Ergebnis werden zentrale Handlungsempfehlungen für die Fortentwicklung und Planung der öffentlichen Freiräume am Beispiel der Stadt München erarbeitet. Des Weiteren liefert das Projekt empirisch fundiertes Wissen für den Bereich der städtebaulichen Kriminalprävention und der dazugehörigen Akteure (Polizei, Planungsbehörden, Hochschulen).

Das Projekt wurde finanziert durch Drittmittel des Freistaat Bayern und der Stadt München.

Laufzeit: 01/2019 - 12/2020 (abgeschlossen)

Infos u.a. unter:

https://www.pt.rwth-aachen.de/cms/PT/Forschung/Forschungsprojekte-abgeschlossen/~bzbzi/Studie-Nutzungsmuster-oeffentlich-zugaen/


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