Vortrag: Kriminalpolizei und Sinti sowie Roma 1850 bis 1950: Modernisierung, Radikalisierung und (Dis-)kontinuitäten

11.06.2026
Polizeimuseum Niedersachsen

Der Vortrag von Verena Meier zeigt verständlich und kompakt, wie sich das Verhältnis zwischen Polizei und Sinti und Roma vom Kaiserreich bis in die Nachkriegszeit entwickelt hat. Im Mittelpunkt steht, wie polizeiliche Strukturen und Routinen, etwa Erfassung und Kategorisierung, bereits seit dem späten 19. Jahrhundert entstanden und später die nationalsozialistische Verfolgung ermöglichten.

Dabei wird deutlich, wie tief solche Praktiken im polizeilichen Alltag verankert waren und wie stark sie das Leben der Betroffenen prägten. Der Vortrag beleuchtet sowohl die Handlungsspielräume einzelner Täterinnen und Täter innerhalb der Kriminalpolizei als auch die Möglichkeiten der Verfolgten, mit Repressionen umzugehen, sich anzupassen oder Widerstand zu leisten.

Anschließend richtet Verena Meier den Blick auf die Zeit nach 1945. In der sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR wurde der Polizeiapparat neu aufgebaut, wobei deutlich weniger frühere Täterinnen und Täter in den Dienst zurückkehrten als in Westdeutschland. Dadurch entstanden neue Möglichkeiten, etwa, dass überlebende Sinti und Roma eine Anstellung bei der Volkspolizei finden konnten. Gleichzeitig zeigt der Vortrag, dass ältere antiziganistische Muster in Teilen bestehen blieben und weiterhin das polizeiliche Handeln prägten.

Der Vortrag bietet damit einen klaren, sensiblen und differenzierten Einblick in die langfristige Geschichte polizeilichen Handelns gegenüber Sinti und Roma.


Verena Meier ist Historikerin und promovierte an der Universität Heidelberg mit einer ausgezeichneten Arbeit zur Verfolgung von Sinti und Roma durch die Kriminalpolizei. Sie forschte mehrere Jahre am Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma und arbeitet derzeit in einem DFG-geförderten Postdoc-Projekt zu Rassismus- und Wissenschaftsgeschichte. Ihre Schwerpunkte liegen in der Polizeigeschichte, Ideengeschichte, Gender Studies sowie der Erforschung von Antisemitismus und Antiziganismus.

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