Gegen das Vergessen und für die Demokratie: Kooperation zwischen Polizeiakademie Niedersachsen und Gedenkstätte Liebenau

Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs mussten aus Europa verschleppte Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in der 12 qkm großen Pulverfabrik in Liebenau Munitionsbestandteile für das NS-Regime herstellen. Wo damals das sogenannte „Arbeitserziehungslager“ stand, eines von acht Lagern der Fabrik, erinnert heute eine Gedenk- und Bildungsstätte an die zahlreichen Schicksale. Diese Erinnerungsarbeit wird jetzt von der Polizeiakademie Niedersachsen unterstützt.

Liebenau – Von den Nazis verschleppt, eingesperrt und unter menschenverachtenden Bedingungen zur Zwangsarbeit gezwungen. Dieses Schicksal erlebten Millionen Menschen während des Zweiten Weltkriegs, so auch in der Nähe der kleinen Gemeinde Liebenau in Niedersachsen. Über 20.000 von ihnen wurden dort ausgebeutet, 2.000 kamen zu Tode. Damit dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, wurde im vergangenen Jahr die Gedenk- und Bildungsstätte Liebenau eröffnet.

Auch die Polizeiakademie Niedersachsen setzt sich seit jeher gegen das Vergessen ein, weshalb am heutigen Freitag, den 21.06.2024 eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Verein Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau e. V., der Gedenk- und Bildungsstätte Liebenau und der Polizeiakademie geschlossen wurde. Unterzeichnet wurde die Vereinbarung vom Akademiedirektor Carsten Rose und dem 1. Vorsitzenden des Vereins, Walter Eisner. Ebenfalls nahmen der Leiter der Gedenk- und Bildungsstätte Martin Guse, Leitende Polizeidirektorin Andrea Marquardt, Leiterin Abteilung 2 – Akademiebetrieb, Dr. Dirk Götting, Leiter der Forschungsstelle für Polizei- und Demokratiegeschichte sowie Polizeidirektor Magnus Zimmer, Koordinator Masterstudiengang an der Polizeiakademie, daran teil.

„Dieser Ort ist ein wichtiges historisches Zeugnis, ein Mahnmal was Menschen ihres Gleichen antun können, nur wegen einer rassistisch geprägten Ideologie und blindem Gehorsam. Damit sich so etwas Schreckliches nicht wiederholt, müssen wir die Erinnerung aufrechterhalten. Diese Bildungs- und Gedenkstätte arbeitet dieses dunkle Kapitel unserer Vergangenheit informativ, anschaulich und nahbar auf und geht dabei auf zahlreiche Einzelschicksale im Kontext historischer und gesellschaftlicher Entwicklungen ein. Die Polizeiakademie Niedersachsen ist dankbar, diese elementare Erinnerungsarbeit zu unterstützen und wir freuen uns auf die zukünftige Zusammenarbeit“, sagte der Direktor der Polizeiakademie Niedersachsen während der Unterzeichnung der Vereinbarung.

Damit gehen alle Beteiligten eine auf Dauer ausgelegte Zusammenarbeit zur Bewahrung der Erinnerung an die menschenverachtenden Folgen der Umstände der NS-Zwangsarbeit in der Pulverfabrik Liebenau und den Haftbedingungen im „Arbeitserziehungslager“ Liebenau der Gestapo Hannover zu Zeiten der nationalsozialistischen Unrechts- und Willkürherrschaft ein. Auch die Beteiligung von Organen der öffentlichen Sicherheit, wie der Polizei, soll in den Fokus gerückt werden.

Dazu hob Martin Guse hervor: „Lernen aus der Vergangenheit bedeutet für jeden von uns die Hinterfragung eigener aktueller Vorurteile und eben auch die stetige kritische Selbstreflexion zum Verhalten und den Verbrechen im Nationalsozialismus durch gesellschaftliche Institutionen, wie eben der Polizei, aber auch durch Verwaltungen, den Pflegeberufen oder der Sozialarbeit, damals Fürsorge genannt.“

Das gemeinsame Ziel ist es, bei den Besuchenden der Gedenk- und Bildungsstätte Liebenau und den Angehörigen der Polizeiakademie Niedersachsen bzw. der Polizei Niedersachsen ein nachhaltiges Bewusstsein zur Wahrung der Menschenrechte in einer friedvollen, gewalt- und diskriminierungsfreien, demokratischen Gesellschaft für ihr künftiges Handeln zu verwurzeln. Dafür wird es zukünftig unter anderem Führungen, Vorträge sowie Forschungs- und Ausstellungsprojekte geben. Außerdem wird das Angebot der Gedenkstätte in die didaktische Ausgestaltung des Studiums an der Polizeiakademie und in die Fortbildung der niedersächsischen Polizistinnen und Polizisten einbezogen. Es werden Haus-, Bachelor- und Masterarbeiten sowie Forschungsaktivitäten unterstützt und gefördert, die sich mit den Inhalten und Themen der Gedenk- und Bildungsstätte befassen.

Weitere Informationen zur Gedenk- und Bildungsstätte Liebenau finden Sie hier.

Über die Pulverfabrik Liebenau können Sie sich hier informieren.

Foto 1: Unterzeichnen den Kooperationsvertrag: Akademiedirektor Carsten Rose (rechts) und der 1. Vorsitzende des Vereins Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau e. V. Walter Eisner.  
Foto 1: Unterzeichnen den Kooperationsvertrag: Akademiedirektor Carsten Rose (rechts) und der 1. Vorsitzende des Vereins Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau e. V. Walter Eisner.
Auf eine gute Zusammenarbeit: Carsten Rose, Direktor der Polizeiakademie Niedersachsen (rechts), und Walter Eisner, 1. Vorsitzende des Vereins Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau e. V. Walter Eisner, besiegeln die Kooperation mit einem Handschlag.  
Auf eine gute Zusammenarbeit: Carsten Rose, Direktor der Polizeiakademie Niedersachsen (rechts), und Walter Eisner, 1. Vorsitzender des Vereins Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau e. V., besiegeln die Kooperation mit einem Handschlag.
Mehrere Personen der Akademie, des Vereins und der Gedenk- und Bildungsstätte nahmen an der Unterzeichnung teil. Darunter Akademiedirektor Carsten Rose (Fünfter v. r.), 1. Vereinsvorsitzender Walter Eisner und der Leiter der Stätte Martin Guse.  
Mehrere Personen der Akademie, des Vereins und der Gedenk- und Bildungsstätte nahmen an der Unterzeichnung teil. Darunter Akademiedirektor Carsten Rose (Fünfter v. r.), 1. Vereinsvorsitzender Walter Eisner und der Leiter der Stätte Martin Guse.
Außenansicht: Die Gedenk- und Bildungsstätte Liebenau.  
Außenansicht: Die Gedenk- und Bildungsstätte Liebenau.

Artikel-Informationen

erstellt am:
21.06.2024

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